Dekadenz


Als ich in der 5ten oder 6ten Klasse war, ging es im Unterricht einige Zeit um die Geschichte der Römer. Dieses große Reich war ca. 400 n.Chr. zusammengebrochen. Woran? Ich lernte damals mit 12 Jahren eindrücklich den Begriff der Dekadenz kennen. Die Römer aßen im Liegen, auf weichen Sofas in wallenden Gewändern von palmwedelnden Sklaven bedient. Um die natürliche Beschränkung der Dauer eines opulenten Mahls durch die eigene Sattheit hinauszuschieben, kitzelten sich die Römer mit einer Pfauenfeder so lange den Gaumen, bis der Magen soweit entleert war, damit das Mahl wieder ungestört und solange wir gewollt fortgesetzt werden konnte. Dieses Bild der Dekadenz hat sich bei mir tief „eingefressen“.

Und wieder leben wir heute in einem weltumspannenden Reich in dem wieder alles möglich scheint. Und wieder kitzeln wir unsere Gaumen, um selbst den Zeitpunkt des „Genug“ zu bestimmen, den wir natürlich schon lange überschritten haben.